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04.08.2011 von Alexander Lay

Was macht Ihr Ferrari im Gelände?

Oder: Welche einfache Therapieform wird viel zu wenig genutzt?

Mit dem Ferrari ins Gelände?
Foto: Will ainsworth (CC-BY-SA-3.0)*

Würden Sie mit einem Sportwagen ins Gelände fahren?

Auf diese Frage antworten die allermeisten Menschen mit: Natürlich nicht. Erstens gehe der ja im Gelände kaputt und außerdem sei der dafür auch gar nicht entworfen und gebaut. Mit Recht. Was hat das alles mit uns zu tun?

Die meisten Leiden brechen bei uns nur deshalb aus, weil der Körper nicht für unsere „moderne“ Welt gemacht ist. Es gibt aber eine Lösung: Das Integrieren von evolutionär angelegten Selbstwartungsprogrammen: der Bewegung! Jahrmillionen sind wir geschwommen, geklettert und gelaufen. So kann sich nämlich unsere körperliche Ordnung aufrecht erhalten. Aus der Forschung weiß man, dass unsere Vorfahren durchschnittlich 42 km am Tag zurückgelegt haben. Aktive Kinder kommen heute (leider die Ausnahme) fast auf 10 km, Erwachsene oft nur auf 800 Meter! Ist es da nicht logisch, dass sich zwangsläufig diverse Zivilisationserkrankungen einstellen?

Leider gehen wir alle mit unseren Automobilen wesentlich sorgsamer um als mit uns selbst. Und trotzdem halten die Boliden trotz sorgsamer Pflege und Umgang allenfalls wenige Jahrzehnte. Bei ordnungsgemäßer Pflege und Umgang kann unsere Spezies allerdings 90 oder mehr Jahre „halten“. Und gemeint ist nicht Siechtum, sondern ein erfülltes, „erfolgreiches“ Altern.

Uns plagen mindestens einmal im Leben hartnäckige Rückenschmerzen, jeder kennt Schmerzen im Nacken, Gelenke verschleißen. Die Verschreibungen von Medikamenten für verhaltensauffällige Kinder steigen an, etc. Lebensstilerkrankungen kosten das Gesundheitssystem (das von uns allen bezahlt wird) Milliarden Euro! Oft hausgemacht.

Würden wir gemäß unserer körperlichen Bestimmung das tägliche Leben bestreiten, so würden viele Erkrankungen gar nicht erst auftreten. Gemeint sind nicht nur Schmerzerkrankungen und Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates, sondern auch Stoffwechselerkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten.

Eine Therapieform wird hier viel zu wenig genutzt. Gemeint ist die Bewegung. Wenn eine Therapieform sogar hilfreich zur Akutbehandlung ist, dann eignet sie sich auch hervorragend zur Prävention.

Verordnete man vor 10 Jahren Schwerkranken noch körperliche Ruhe und Schonung, so weiß man heute, dass Genesungsprozesse weitaus schneller ablaufen, wenn moderate Arbeit mit unserem Körper geleistet wird. Sogar an Krebs leidenden Menschen wird heute körperliches Training verordnet. Der Blutzuckerspiegel von Diabetes-Patienten sinkt beachtlich durch Bewegung – und das trotz gleicher Ernährung und gleicher Medikation. Viele Schmerzzustände bessern sich bei „ordnreungsgemäßem“ Gebrauch unseres Bewegungskörpers.

Die moderne Psychiatrie stellt in den USA mittlerweile ihre Patienten während, vor oder nach einer Gesprächstherapie auf ein Laufband oder ein Ergometer. Den Depressiven werden weniger Psychopharmaka verordnet, dafür begleitendes Bewegungstraining. Demenz-Patienten wird ebenfalls Bewegungstraining verordnet, um über die Stoffwechselaktivierung ebenfalls die Gehirnleistung zu steigern.

Querschnittsstudien zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität (7 Stunden zügiges Spazierengehen pro Woche) das Erkrankungsrisiko für Dickdarmkrebs um 40% verringert. Ist man bereits an Dickdarmkrebs erkrankt, so verringert dieses Training die Gesamtsterblichkeit signifikant. Das Risiko, einen Hirninfarkt zu erleiden oder daran zu sterben, wird bei Männern durch regelmäßige körperliche Aktivität um 27% reduziert, das einer Blutung im Gehirn um 40%.

Ein kleiner Schwenk zu Verhaltensauffälligkeiten: Was tun wir mit unseren vierbeinigen Begleitern wenn sie verhaltensauffällig sind? Wir gehen mit ihnen spazieren (und nehmen uns gottseidank selbst mit dabei). Wenn sie ein verhaltensauffälliges Kind haben, nehmen Sie dieses bitte auch mit zu regelmäßigen ausgedehnten Spaziergängen, das Kind, sowie der begleitend behandelnde Therapeut werden es Ihnen danken.

Wenn Sie jetzt erfolgreich in den besseren Rest Ihres Lebens starten wollen, so nutzen Sie die länger und wärmer werdenden Tage und bereiten sie Ihren Bewegungskörper auf ein Mehr an richtiger Bewegung vor. Konsultieren Sie den Arzt Ihres Vertrauens und lassen Sie sich durchchecken (große Inspektion). Auch ist eine Mikronährstoffanalyse sinnvoll, um Ernährungsdefizite aufzudecken, denn nicht selten besteht ein Mangel an Selen, Zink und Vitamin D.

Konsumieren Sie bitte möglichst viele naturbelassene, frische Lebensmittel. Ein beleibtes Auftreten garantiert noch lange keine gute Versorgung mit Mikronährstoffen.

Selbst im Land der übervollen Kühlschränke ist ein Vitamin C-Mangel nicht selten. Ein intakter und optimierter Stoffwechsel garantiert um so mehr den Erfolg durch Bewegung.

Idealerweise kann ein Besuch bei einem Osteopathen auch bessere Voraussetzungen zu einem „in Bewegung kommen“ schaffen, indem hier Blockaden des Gewebes gesucht und beseitigt werden (Spur nachstellen). Wenn Sie aktuell noch an Schmerzen leiden, so empfehle ich Ihnen die Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht. Sind Ihre Schmerzen durch eine richtige Dehnanleitung beseitigt (haben sie schon mal Ihrer Katze beim morgendlichen Durchdehnen zugeschaut?), kann einem erfolgreichen Bewegungsjahr nichts mehr im Wege stehen.

Wenn Sie die verborgenen Geheimnisse nicht selbst suchen möchten, so suchen Sie sich in Ihrer Nähe einen Bewegungslehrer (z.B. Bewegungslehre nach Liebscher und Bracht). Nutzen Sie ebenfalls Bewegung in der Sonne, das beugt einem Vitamin D-Mangel vor. Für alle Sonnenliebhaber: Ende März ist Frühlingsanfang!

Behandeln Sie bitte Ihr Auto nicht besser als sich selbst. Kommen Sie endlich selbst in „die Gänge“. Denn: Morgen ist der erste Tag von Rest Ihres Lebens.

Ihre Privatpraxis Alexander Lay

* Foto Ferrari by Will ainsworth (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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